Historischer Haaland überstrahlt "das größte Talent der Welt"

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Mats Hummels hatte mitgedacht.

Nach dem Schlusspfiff wusste der Abwehrchef, bei wem er sich für den Sieg gegen Hertha BSC zu bedanken hatte. Und er tat es auf seine Weise: Er schnappte sich den Spielball und übergab ihm dem strahlenden Erling Haaland. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Zuvor hatte der 20-Jährige die Dortmunder quasi im Alleingang zum 5:2-Sieg gegen die Berliner geschossen. In der ersten Hälfte ließ der frisch gekürte „Golden Boy“ noch zwei gute Möglichkeiten liegen, nach dem Seitenwechsel zockte er dann groß auf. Innerhalb von 15 Minuten markierte der Norweger einen Dreierpack, kurz vor dem Ende legte er den vierten Treffer nach. Es war sein erster Viererpack überhaupt im BVB-Dress, wodurch die Dortmunder auf Platz zwei sprangen und bis auf einen Zähler auf den FC Bayern München heranrückten. Die Münchner hatten am Nachmittag beim 1:1 gegen Werder Bremen gepatzt. (Tabelle der Bundesliga)

Haaland  dreht nach der Pause auf – und erklärt Grund

Beim ersten Treffer musste Haaland nach Pass von Emre Can nur noch den Fuß hinhalten, beim 2:1 aus BVB-Sicht, das durch einen Treffer von Matheus Cunha in der ersten Hälfte in Rückstand geraten war, glänzte er dann durch einen typischen Laufweg in die Gasse. Beim dritten Treffer spurtete er nach einem Berliner Fehlpass dazwischen und spielte Keeper Alexander Schwolow aus. Und beim Treffer zum Endstand jagte er den Ball aus rund elf Metern ins Gehäuse der Berliner.

„Der Spielzug vor dem ersten Treffer war sehr gut, auch das zweite Tor war schön, alle dachten, es war Abseits“ schwärmte Haaland bei DAZN. Als Grund für seinen Leistungsschub nach der Pause erklärte er: „Ich habe einen Red Bull getrunken und Flügel bekommen.“

„Er ist uns momentan eine verdammt große Hilfe, weil das spiel auch ein bisschen auf ihn ausgerichtet ist. Wir genießen es, wissen aber, dass auch andere Spieler Tore schießen können“, erklärte Julian Brandt. Der Mittelfeldspieler schwärmte: „Ihm zuzuschauen mit seiner Dynamik und seinem Torriecher ist sensationell.“

Um ein Haar hätten die BVB-Fans die historische Haaland-Show gar nicht zu sehen bekommen. Denn eigentlich war dem Stürmer von den norwegischen Behörden eine zehntägige häusliche Quarantäne verordnet worden, nachdem in der norwegischen Nationalmannschaft ein Corona-Fall aufgetreten war. Doch nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Dortmund kam Haaland um eine Quarantäne herum.

„Golden Boy“ huldigt Moukoko: „Größte Talent der Welt“

Einen besonderen Moment gab es dann wenige Minuten vor Schluss – und Haaland war direkt beteiligt. Supertalent Youssoufa Moukoko wurde in der 85. Minute eingewechselt, für ihn machte der Matchwinner Platz. Mit 16 Jahren und 1 Tag wurde Moukoko zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Geschichte, verdrängte den Ex-Dortmunder Nuri Sahin auf Rang zwei.

Und Haaland? Der genoss den Trubel um seine Person sichtlich, wusste aber auch, dass er an diesem historischen Abend nicht der einzige Hauptdarsteller war. Und er huldigte seinem vier Jahre jüngeren Sturmkollegen mit einem Satz, der aus dem Mund des „Golden Boy“ eine ganz besondere Bedeutung bekommt: „Er ist aktuell das größte Talent der Welt.“

Trainer Lucien Favre war vor allem mit dem zweiten Durchgang zufrieden: „Wir haben am Anfang der zweiten Halbzeit gut gespielt. Hertha macht durch einen Konter ein Tor. Das kann passieren.“ Seine Anweisung in der Halbzeit: „Weitermachen wie die letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit.“

Auch von Haalands Leistung war er beeindruckt, stellte aber auch fest: „In der ersten Halbzeit hat er eine große Torchance nicht gemacht.“ 

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Cunha trifft per Weitschuss

Vor der Partie hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor überzogenen Erwartungen an Moukoko gewarnt. „Das, was medial um den Jungen abgeht, geht mir ein Stück zu weit. Das gefällt mir nicht“, sagte er. Daher setzte ihn Favre erst einmal auf die Bank, brachte ihn aber, als der Sieg sicher war. Vorne stürmte Haaland, der nach dem Corona-Chaos bei der norwegischen Nationalmannschaft am Samstag zum „Golden Boy“, dem besten U21-Spieler Europas, gekürt worden war.

Dortmund presste in der Anfangsphase, ohne selbst vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Der BVB überließ den Gastgebern in dieser Phase öfter den Ball, Dodi Lukebakio (8.) schoss nach einem Konter über das Dortmunder Tor. Erst danach zog der BVB sein Kombinationsspiel etwas besser auf. Nach Zusammenspiel von Mahmoud Dahoud und Haaland landete der Ball bei Marco Reus (17.), dessen Abschluss von der linken Seite Hertha-Torwart Alexander Schwolow problemlos abwehrte. (Spielplan der Bundesliga)

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Doch auch die Berliner zeigten sich mutig – und wurden nach rund einer halben Stunde belohnt: Matheus Cunha nahm aus rund 18 Metern Maß und hämmerte den Ball ins obere Eck.

Die Dortmunder waren sofort bemüht, eine passende Antwort zu finden. Kurz vor dem Pausenpfiff hatte Haaland die nächste Großchance, verpasste die Hereingabe jedoch.

Besser machte er es wenige Minuten nach dem Seitenwechsel. Nach einer Vorlage von Emre Can musste der Norweger aus wenigen Metern nur noch einschieben. Kurze Zeit später war der Stürmer ein weiteres Mal zur Stelle.  Nach einem Steilpass von Julian Brandt startete der Stürmer genau im richtigen Moment in die Gasse und drang in den Strafraum ein. Mit links schoss er in die lange Ecke, Schwolow war erneut chancenlos.

Nach einer Stunde war Haaland wieder zur Stelle. Nach einem katastrophalen Fehlpass spurtete er dazwischen, rannte allen auf das Hertha-Tor zu und umkurvte Schwolow. In der 70. Minute sorgte Raphael Guerreiro nach Vorlage von Thomas Meunier für die Entscheidung.

In der 79. Minute brachte Cunha nach einem zweifelhaftem Elfmeter – Manuel Akanji foulte Matteo Guendouzi – wieder in Reichweite, doch Haaland sorgte auf seine Art für die Antwort. Keine 60 Sekunden nach dem Gegentreffer traf Haaland erneut.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)

 

 

Source: sport1.de