Kutucu: "Kämpfermentalität habe ich von der Straße"

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Nach Mesut Özil, Manuel Neuer oder Julian Draxler ist mit Ahmed Kutucu das nächste Talent aus der Knappenschmiede drauf und ran, sich bei den Profis zu etablieren.

Die Bodenhaftung verliert der 19-jährige, der im Gelsenkirchener Stadtteil Bismark geboren und aufgewachsen ist, deshalb aber noch lange nicht. Im Interview mit dem Sportbuzzer sagte Kutucu: „In Bismarck wird jeder gleich behandelt. Man könnte dort auch gar nicht arrogant werden, weil einen die Leute dann ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen würden. Aber so weit will ich es sowieso nicht kommen lassen.“

Das dies keine leeren Worte sind, beweißt auch die Tatsache, dass Kutucu immer noch bei seinen Eltern zu Hause wohnt – obwohl er bereits seit knapp einem Jahr über einen Profivertrag verfügt. Er lebe „genauso wie vorher auch.“

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„Bismarck ist für viele Menschen vielleicht nicht die schönste Gegend, aber jetzt auch kein ‚Ghetto'“, sagte Teenager. Und weiter: „Es leben überwiegend Ausländer dort, 60, 70 Prozent. Aber dieses ‚Du bist Ausländer, du bist Deutscher‘ – das gibt es in Gelsenkirchen nicht. Alle respektieren sich als Menschen.“ 

Aufgeben für Kutucu keine Option

Seine Kindheit in Gelsenkirchen habe ihn geprägt: „Meine Familie hat schon auf das Geld geachtet. Nicht jedes Mal, wenn ich neue Fußballschuhe wollte, habe ich auch welche bekommen. Ich saß dann in meinem Zimmer und habe geheult, aber so hat man auch gelernt, mit Geld umzugehen.“

Bei den Fans ist er nicht nur wegen seinen Wurzeln („Ich wohne sieben Minuten von der Arena entfernt“) beliebt, sondern vor allem auch wegen seiner Malocherqualitäten. Kutucu gilt als Arbeiter, als Kämpfer. „Diese Kämpfermentalität habe ich von der Straße. Egal, ob ich früher in Bismarck auf dem Hof gespielt habe oder für den Klub: Aufgegeben? Niemals!“

Der türkische Nationalspieler (ein Einsatz für die A-Mannschaft) könnte zur nächsten königsblauen Identifikationsfigur heranreifen, auch wenn er selbst so weit noch nicht denken will: „Dafür habe ich noch ein bisschen Zeit. Aber ich merke schon, wenn ich auf dem Platz stehe, dass die Fans wirklich komplett hinter mir stehen. Dass sie bei Fehlern nicht direkt kritisch sind – da habe ich vielleicht etwas mehr Kredit.“

Der Trainer macht den Unterschied

Neben seiner Familie hat ihm vor allem auch Schalkes A-Jugend-Trainer Norbert Elgert den Weg in den Profialltag geebnet.

Laut Kutucu mache er den Unterschied aus: „Bis ich zu ihm kam, war ich ein durchschnittlicher Spieler. Aber mit seiner harten, aber herzlichen Herangehensweise bereitet er einen bestmöglich auf das Profi-Geschäft vor“. Ein „Du bist der Beste!“ würde man von ihm nicht zu hören bekommen. Stattdessen konfrontiere er die Spielern auch mal mit unangenehmen Themen oder Fehlern.

Angesprochen auf die These, das Schalke nur eine Durchgangsstation sei, die durch den Wechsel des bisherigen Stammtorhüters Alexander Nübels weiter befeuert wurde, hat Kutucu eine ganz klare Meinung: „Für mich nicht! Ich bin hier, ich will hier spielen – weil ich Schalke lebe.“

Source: sport1.de