So lief der Hoeneß-Anruf im Doppelpass wirklich

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Was für ein denkwürdiger Auftritt!

Uli Hoeneß meldet sich am Sonntag überraschend per Telefon im CHECK24 Doppelpass zu Wort. Gewohnt deutlich, gewohnt vehement.

Doch wie läuft das eigentlich, wenn plötzlich der wohl bekannteste Mann in Fußball-Deutschland in eine laufende Sendung will? SPORT1 klärt auf.

12.21 Uhr: Seit knapp 80 Minuten ist der Doppelpass bereits auf Sendung. Im Übertragungswagen von Sendungsleiter Jörg Krause klingelt das Handy. Uli Hoeneß höchstpersönlich!

Im Februar war der Bayern-Boss letztmals in der Talkrunde zu Gast. Schon damals kündigt er im Anschluss an, sich melden zu wollen, falls ein Thema aus seiner Sicht nicht sauber aufgearbeitet wird.

Nun sieht er die Zeit gekommen! Hoeneß will live in die Sendung geschaltet werden – ein Wunsch, der ihm natürlich erfüllt wird. Der Doppelpass lebt von Meinung – und Hoeneß hat (ob man sie teilt, oder nicht) in der Regel eine starke.

12:26 Uhr: In der Pause erfahren die Gäste, wer sie gleich von außen beehren wird. Die Überraschung ist groß, die Spannung in der Runde steigt. Was hat den Bayern-Boss dazu veranlasst, zum Telefon zu greifen?

12.31 Uhr: Der Doppelpass ist zurück aus der Werbung, ein Toningenieur hat die technischen Voraussetzungen für Hoeneß‘ Liveschalte geschaffen – und Moderator Thomas Helmer, selbst langjähriger Bayern-Spieler und daher gut mit Hoeneß bekannt, begrüßt ihn am Telefon. „Guten Tag, oder guten Morgen, Uli!“

Beifall aus dem Publikum. Ein Großteil der Runde hat die Hände gefaltet, in andächtiger Erwartung, was da kommen mag.

Das Donnerwetter zur Diskussion um Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic fällt bestimmt aus („Ich finde es unverschämt, wie über ihn heute gar nicht gesprochen wurde, so als gebe es ihn gar nicht“).

Marco Fenske, Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland, ist der, der den befürchteten Schwarzen Peter des in Hoeneß‘ Augen Ahnungslosen zieht, was er aber sportlich nimmt.

Trotz der deutlichen Worte des FCB-Präsidenten ist aber nicht zu überhören, dass Hoeneß grundsätzlich guter Laune ist. Dem Kinderfußball des BVB tags zuvor sei Dank.

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12.35 Uhr: Hoeneß verabschiedet sich mit den Worten: „Ich wünsche euch noch einen schönen Vormittag. Alles Gute! Tschüss!“

Eine Mischung aus Beifall und Gelächter im Publikum. Alle merken, dass sie gerade Teil von etwas Besonderem geworden sind.

SPORT1-Experte Marcel Reif: „Das war Uli Hoeneß im Ruhe-Zustand. Und jeder, der glaubt, jetzt habt ihr Ruhe vor Uli Hoeneß, dann viel Vergnügen. Ich glaube, dass der Klub ihn auch in Zukunft sehr wohl brauchen wird. Und das, wofür er steht.“

Hoeneß-Geschichte wiederholt sich

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass sich Hoeneß via Telefon in den Doppelpass schalten ließ.

Rückblick: Vor 19 Jahren tobt in Deutschland die Diskussion um Christoph Daum, die in der Kokain-Affäre endet. Damals, ebenfalls im November, ist der damalige Bayern-Manager weit weniger gut gelaunt.

„Wenn sich die Meinung durchsetzt, dass ein Drogenabhängiger Bundestrainer werden soll: Was sollen dann die Eltern sagen, deren Kinder drogenabhängig sind? Wenn diese Meinung sich durchsetzt, möchte ich damit nichts mehr zu tun haben“, poltert Hoeneß am Telefon – und legt einfach auf.

Knapp zwei Jahrzehnte später nun der nächste unvergessliche Auftritt. Und es muss nicht der letzte bleiben, wie Jörg Krause, Leiter Talk bei SPORT1, betont:

„Der Doppelpass gibt Meinungen wieder, und Uli Hoeneß steht für eine Streitkultur, die in der Fußballbranche selten geworden ist. Er wird immer einen Platz im Doppelpass haben. Man kann nur hoffen, dass er sich auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft beim FC Bayern weiter meinungsstark äußern wird.“

Source: sport1.de