Überraschender Tribünenplatz: Wolff reagiert

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Es kam höchst überraschend und hatte mächtig Staub aufgewirbelt so kurz vor dem Turnierstart, als Bundestrainer Alfred Gislason nur Stunden vor dem erfolgreichen WM-Auftakt der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Uruguay auf Andreas Wolff verzichtete. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-WM 2021)

Der bisherigen Stammtorhüter gehörte beim historischen Kantersieg nicht zum 16-köpfigen Aufgebot im ersten Vorrundenspiel – darüber hatte der Deutsche Handballbund (DHB) erst am Mittag in Gizeh informiert.

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Stattdessen bildeten Johannes Bitter und Silvio Heinevetter das Torwart-Gespann (So läuft die Handball-WM 2021).

„Es ist kein Geheimnis, dass wir ein außergewöhnlich gutes Torwart-Trio mit nach Ägypten genommen haben“, hatte Co-Trainer Erik Wudtke die Entscheidung zunächst kommentiert. Ausschlaggebend für die Nominierung sei keine Verletzung gewesen.

Gislason begründet Wolff-Ausbootung

Was aber dann? Nach Abpfiff brachte Gislason bei der ARD dann Licht ins Dunkel – und erklärte überraschend: „Ich habe Andi schon vor einer Woche gesagt, er soll sich auf Kap Verde konzentrieren.“ Deutschland trifft am Sonntag (18 Uhr im LIVETICKER) auf den Underdog.

Von wegen also kurzfristiger Entschluss – Gislason fügte dabei auch an, dass sich Wolff angesichts seiner bisweilen zu emotionalen Auftretens gewissermaßen selbst ausgebootet habe:

„Ich kenne Andi ja nun gut genug (aus gemeinsamen Zeiten beim THW Kiel, Anm. d. Red.). Meine Erfahrungen mit ihm sind: Wenn er auf einen etwas unorthodoxen Gegner trifft, und dann kullert ein Ball irgendwie bei ihm rein, dann fängt er an, sich zu ärgern“, so der Isländer weiter. „Und dann sollte man ihn besser schonen.“

Der Bundestrainer meinte jedoch auch: „Er hat es aber locker aufgenommen. Er ist ein Weltklassetorhüter, er wird beim nächsten Spiel dabei sein.“

Einen hierarchischen Hintergrund hat die Entscheidung demnach nicht. (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER).

Wolff reagiert: „Alfred kennt mich ganz gut“

Wolff selbst erklärte sich nach der Partie im Talk von Ikone Stefan Kretzschmar.

„Ich denke, Alfred kennt mich ganz gut. Ich denke, da hat er auch nicht unrecht. Wenn ich heute zwei, drei Murmeln rein bekommen hätte, hätte es meiner Laune auf jeden Fall einen Abbruch getan“, sagte der Keeper.

Die gewonnene Zeit habe er aber gut genutzt, „um mit den anderen Jungs, die nicht gespielt haben, ein bisschen an der Torwarttechnik, den Würfen und dem Stellungsspiel zu feilen, was ja auch nicht unwichtig ist“, zumal Wolff „den ganzen Dezember mit Corona auf der Couch vor der Playstation gesessen“ hat.

Es sei aber keine reine Schutzfunktion gewesen, „sondern auch ein Zeichen, dass wir ein langes Turnier spielen und wir einen großen Kader haben, den wir auch nutzen müssen, um bestmöglich durch das Turnier zu kommen.“

Gegen Kap Verde soll er nun sein Turnierdebüt feiern. „Ich bin optimistisch, dass ich in das Turnier eingreifen kann und eine ähnliche Leistung wie Jogi heute in der ersten Halbzeit zeigen kann“, betonte Wolff.

Schwarzer: Luxusproblem für Gislason

„Wir werden alle irgendwo im Turnier brauchen, jeder soll Erfahrung und Matchpraxis sammeln“, meinte Wudtke. Gislason hatte Wolff vor dem Turnier als seine 1A im Tor bezeichnet, Bitter als 1B und Heinevetter als 1C (Handball-WM: Die wichtigsten Regeln).

Christian Schwarzer wiederum erklärte in seiner SPORT1-Kolumne: „Im Tor hat Gislason ein Luxusproblem. Er hat sich auf Wolff als Nummer eins vor Bitter und Heinevetter festgelegt.“ (Handball: Die wichtigsten Regeln).

Für den Weltmeister von 2007 „sind alle drei Torhüter Nummer-1-Torhüter. Er kann morgens aufstehen und sagen, heute darf dieser Keeper ran und kann da eigentlich nicht viel falsch machen.“

Erst vor einer Woche war Wolff nach Verbal-Attacken gegen seine ehemaligen Teamkollegen vom THW Kiel in die Schlagzeilen geraten, hatte den coronabedingt freiwilligen WM-Verzicht von Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold kritisiert.

Der Keeper hatte sich dafür im Anschluss einen Rüffel eingehandelt. „Es stört uns nur in unserer Vorbereitung hier“, so Gislason.

Klein: Das steckt hinter der Wolff-Entscheidung

Dominik Klein wollte in der jetzigen Ausbootung von Wolff einem „ganz klare Taktik und Strategie“ des Bundestrainers erkannt haben: 

„In der EM-Qualifikation (gegen Österreich, Anm. d. Red.) kürzlich hat Andi Wolff an Position 1 gespielt, Alfred Gislason will nun sicherlich auch Silvio Heinevetter und Johannes Bitter mal sehen wollen“,  sagte der Ex-Nationalspieler in der ARD. „Alfred Gislason wird am Ende sicherlich mit allen dreien gesprochen, zudem wohl auch Torwarttrainer Mattias Andersson Keeper miteinbezogen haben. Alle drei Torhüter sollen bei diese WM Spielanteile bekommen.“

Klein fügte kurz vor dem Anwurf an: „Wer aber Andi Wolff kennt: Da jetzt auf der Tribüne zu sitzen, das ist nicht einfach für ihn.“ 

DHB-Sportvorstand Axel Kromer hatte zum Torwartthema auf SPORT1-Nachfrage erklärt: „Mit diesem Torhüter-Trio müssen wir uns vor niemandem verstecken. Man sieht auch, dass das Miteinander hervorragend funktioniert mit der Routine, die alle haben. Ich erwarte, dass das Torhüter-Duell nicht allzu häufig an den Gegner geht.“

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Mit Sport-Informations-Dienst

Source: sport1.de